Initiative für Nachhaltigkeit

Die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit im Bezug zur Wertschöpfungskette Zement

Im Jahr 2002 begründeten der VDZ und die Sozialpolitische Arbeitsgemeinschaft der deutschen Zementindustrie (SPADZ) gemeinsam mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) die Initiative für Nachhaltigkeit in der deutschen Zementindustrie. Gemeinsam fassten die Sozialpartner Grundsatzpositionen und Handlungsfelder für zukünftige Aufgaben zur nachhaltigen Entwicklung der Zementindustrie einer Dokumentation „Nachhaltigkeit in der Zementindustrie“ zusammen. Zehn Jahre später wertet eine nunmehr überarbeitete Fassung der Dokumentation gemeinsame Projekte der Sozialpartner aus und bietet eine Reihe aktualisierter Zahlen und Inhalte vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung der Branche.

Nach einer Phase mit starkem Beschäftigungsabbau bis zum Jahr 2004 werden in einer Studie für die Zeit ab 2005 sehr stabile und gefestigte Beschäftigungsverhältnisse in der Zementindustrie erkennbar: Die Zahl der Arbeitsplätze hat sich seit dem kaum verändert, die Fluktuation und der Anteil befristeter Anstellungen sind gering, die Betriebszugehörigkeitsdauer hoch. Insgesamt zeigt sich das Bild einer anlagenintensiven, modernen Prozessindustrie, in der die Beschäftigten insgesamt eine hohe Verantwortung bei der Steuerung und Kontrolle der Produktion tragen. Gleichzeitig wird durch das hohe Durchschnittsalter der Beschäftigten auch der demographische Wandel in der Zementindustrie deutlich erkennbar. Dem Thema Qualifizierung, d.h. der Aus- und Weiterbildung, wird daher von den Unternehmen eine wichtige Bedeutung beigemessen. Allerdings stellen die intensive Suche und Förderung von Nachwuchs sowie die Anpassung von Arbeitsbedingungen an alternde Belegschaften künftig eine große Herausforderung für die Branche dar. Die Branche wird überwiegend von integrierten Zementwerken mit typischerweise 100 bis 250 Mitarbeitern geprägt. Im Vergleich zu den anderen Fachzweigen des produzierenden Gewerbes lieg die durchschnittliche Bruttolohnsumme im Übergang vom obersten zum zweiten Fünftel.

Insgesamt stehen etwa 1,3 Prozent des gesamten Güterverkehrsaufkommens in Deutschland in Zusammenhang mit der Herstellung und dem Versand von Zement. Vor diesem Hintergrund sind im Rahmen einer branchenweiten Umfrage (2002 und 2008) detaillierte Daten über die Transport- und Logistikstrukturen der deutschen Zementindustrie ermittelt worden. Die Ergebnisse liefern unter anderem Aufschluss über die Funktion, Bedeutung und Nutzung der einzelnen Verkehrsträger (LKW, Bahn, Binnenschiff) bei den Eingangs- und Ausgangsfrachten. Zugleich werden Optionen zur Optimierung des Modal Split und zur Reduzierung von Leerfahrten aufgezeigt.

Aufgrund der verfahrenstechnischen Entwicklung und des produktionsintegrierten Umweltschutzes steigen die Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter der Zementindustrie kontinuierlich an. Vor diesem Hintergrund werden mit dem Projekt Lerninhalte und -methoden entwickelt, die den Anforderungen einer nachhaltigen Berufsbildung entsprechen. Mit Hilfe eines modularen Qualifizierungsangebots und moderner Lernmethoden wie E-Learning können werksinterne Schulungen durchgeführt werden. In den Informationsbriefen stehen Themen im Mittelpunkt, die in der Zementindustrie im Hinblick auf die nachhaltige Entwicklung von besonderer Bedeutung sind. Dies betrifft zum Beispiel die Steigerung der Ökoeffizienz und den Klimaschutz. Eine Folienpräsentation liefert anschauliches Arbeitsmaterial für Multiplikatoren zur Verwendung bei innerbetrieblichen Schulungen. In betrieblichen Workshops können die Beschäftigten selbst Handlungsansätze zu aktuellen Themen vor Ort erarbeiten und auf diese Weise für Nachhaltigkeit aktiv werden. Darüber hinaus berücksichtigen auch die Lehrbriefe, die verfahrenstechnische Zusammenhänge erläutern, Aspekte einer umweltschonenden Produktion.

Nach zweieinhalbjähriger Laufzeit wurde das Pilotprojekt „Nachhaltigkeitsindikatoren für ein Integriertes Rohstoff- und Naturschutzmanagement“ in Schelklingen (Baden-Württemberg) 2008 abgeschlossen. Das Forschungsvorhaben liefert als wichtiger Bestandteil der Initiative für Nachhaltigkeit in der deutschen Zementindustrie wissenschaftlich fundierte Lösungen zur weiteren Optimierung des Ausgleichs von Rohstoffgewinnung und Naturschutz.

Träger des Projekts waren das HeidelbergCement Technology Center, der Bundesverband der Deutschen Zementindustrie, die Sozialpolitische Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Zementindustrie sowie das Biologenteam der AG.L.N. Landschaftsplanung und Naturschutzmanagement. Durchgeführt wurde das Projekt im Zeitraum Juli 2005 bis Dezember 2007 mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Im Rahmen der Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung spielen innovative Ansätze zur Sicherung der Biodiversität nicht nur in Deutschland, sondern auch international eine zunehmend wichtige Rolle. Zwar stellt der Abbau von Rohstoffen für die Zementproduktion einen erheblichen Eingriff in Natur und Landschaft dar. Gleichzeitig können Steinbrüche aber bereits während des Betriebes eine wichtige Funktion für den Natur- und Artenschutz übernehmen: Mit ihren spezifischen Standortbedingungen bieten sie oftmals einen Lebensraum für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die in der Kulturlandschaft kaum noch zu finden sind.

Ziel des Pilotprojekts war es daher, Indikatoren zu entwickeln, mit denen die Arten- und Lebensraumvielfalt von Steinbrüchen messbar gemacht werden kann. Im Projekt wurden verschiedene Indikatoren für Flora, Fauna und Lebensraumtypen entwickelt, die auf die spezifischen Verhältnisse und Potenziale von Abbaustätten zugeschnitten sind, um den Anforderungen der betrieblichen Praxis im Steinbruchbetrieb und des Naturschutzes gleichermaßen gerecht zu werden. Diese Biodiversitätsindikatoren wurden im Zuge des Projektes im Steinbruch des Zementwerkes Schelklingen der HeidelbergCement AG ebenso getestet wie unterschiedliche Verfahren zur Erhebung der Arten- und Lebensraumvielfalt (Monitoring). Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse wurden sogenannte Biodiversity Action Plans entwickelt, die gezielte Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt umfassen. Abschließend wurden die Indikatoren auch hinsichtlich potenzieller Schnittstellen zu naturschutzfachlichen Instrumenten, wie z.B. Ökokonten geprüft.

Die Ergebnisse des Projekts wurden mit Vertretern von Unternehmen und Verbänden auch aus anderen Steine- und Erden-Branchen sowie mit Stakeholdern aus Wissenschaft, Naturschutz und Gewerkschaften diskutiert. Bei der Entwicklung von Empfehlungen zur Sicherung der Biodiversität im Zusammenhang mit der industriellen Produktion will die Europäische Kommission die Ergebnisse des Projektes nutzen.

Kontakt

Manuel Mohr

Manuel Mohr

Tel.: (030) 2 80 02-100

Fax: (030) 2 80 02-250

 

 

Nachhaltigkeitsinitiative

Webseite der Initiative für Nachhaltigkeit in der deutschen Zementinudstrie

Rohstoffversorgung und Ressourcenproduktivität

Studie über den Status quo und die Perspektiven der Rohstoffversorgung und Ressourcenproduktivität in der deutschen Zementindustrie

Dokumentation Nachhaltigkeit

Mit der Broschüre dokumentieren die Sozialpartner ihr gemeinsames Engagement in der Initiative für Nachhaltigkeit in der deutschen Zementindustrie.

Beschäftigungsstudie

Studie zur Situation der Beschäftigen, den Arbeitsverhältnisse, dem Lohn und der Qualifizierung in der deutschen Zementindustrie.

Logistik

Branchenweite Studie und Umfrage zum Zustand der Transport- und Logistikstrukturen in der Zementindustrie in Deutschland.

Nachhaltigkeitsindikatoren

Indikatoren für ein nachhaltiges und integriertes Rohstoff- und Naturschutz-Management in der Zementindustrie.