Wohnungsbau

Mit einem Anteil von 59 Prozent an den gesamten Bauinvestitionen 2014 ist der Wohnungsbau die mit Abstand größte Bausparte in Deutschland. Damit nehmen Wohnimmobilien eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung zentraler Herausforderungen im Bereich des Klimaschutzes ein. So benötigt ein nach aktuellen Standards errichtetes Einfamilienhaus gegenüber einem vergleichbaren ungedämmten Gebäude bis zu 80 Prozent weniger Heizenergie. Auch bezogen auf die Folgen des demographischen Wandels kommt dem Wohnungsbau durch Schaffung barrierefreier Zugänge und seniorengerechter Wohnungszuschnitte eine wichtige Bedeutung zu. Gerade Wohngebäude, die in den 1950er und 1960er Jahren errichtet wurden, genügen vielfach nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Mit einem Anteil von rund 73 Prozent an den gesamten Wohnungsbauleistungen bilden die Baumaßnahmen im Bestand den Großteil des inländischen Wohnungsbauvolumens ab. So haben Bestandsmaßnahmen insbesondere zur Steigerung der Energieeffizienz erheblich an Bedeutung gewonnen. Gleichwohl entspricht erst ein kleiner Teil der bestehenden Wohngebäude aktuellen energetischen Standards. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, entsprechende Hindernisse aus dem Weg zu räumen: Das im Energiekonzept der Bundesregierung formulierte Ziel, den Primärenergiebedarf im Gebäudebereich bis 2050 um rund 80 Prozent abzusenken, kann sonst nur schwer erreicht werden. Auch die Novellierungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) dürfen nicht so ausfallen, dass die Investitionsbereitschaft weiter nachlässt. Für die Ausschöpfung von Energieeinsparpotenzialen im Wohnungsbau sind  wirtschaftliche Anreize weit stärker als bisher anzustreben. Wenn die jährliche Sanierungsquote – wie von der deutschen Bundesregierung angestrebt – mindestens verdoppelt werden soll, muss die Förderung auf erhöhtem Niveau verstetig werden. So sollte das KfW-Programm zur energetischen Gebäudesanierung schnellstmöglich von momentan 1,8 Milliarden auf mindestens 3 Milliarden Euro jährlich aufgestockt sowie Förderverfahren vereinfacht werden.

Für eine nachhaltige Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum ist eine ausreichende Neubautätigkeit erforderlich. Mit insgesamt 140.000 in Deutschland neu errichteten Wohnungen erreichte diese im Jahr 2009 einen historischen Tiefstand. Seitdem steigt das Neubauvolumen wieder stetig auf zuletzt 220.000 Wohnungen im Jahr 2014 an. Obwohl die Dynamik langsam an Fahrt gewinnt, wird das derzeitige Neubauniveau dem Bedarf in keiner Weise gerecht. Der Arbeitskreis Zementprognose des VDZ rechnet mit einem jährlichen Neubaubedarf von mindestens 250.000 Wohnungen. Darin spiegelt sich unter anderem der Trend zu kleineren Haushaltsgrößen wider, was die Gesamtzahl der privaten Haushalte in den kommenden Jahren weiter ansteigen lassen dürfte. Dies überlagert den gegenläufigen Effekt eines negativen Geburtensaldos in Deutschland, der lange Zeit für einen Rückgang der Bevölkerung sorgte. Seit 2011 bewegt sich die Bevölkerungszahl nunmehr wieder nach oben – ein Effekt der massiv gestiegenen Zuwanderung nach Deutschland, die sich in Folge der wirtschaftlichen und außenpolitischen Krisen in Europa und Teilen der Welt eingestellt hat. Zudem wird mit der zunehmend stärkerer Regionalisierung der Wohnungsnachfrage insbesondere in Wachstumsregionen bezahlbarer Wohnraum immer knapper, sodass zusätzliche Nachfrageimpulse entstehen.

Zur Belebung des Wohnungsneubaus sind dennoch Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erforderlich – etwa in  Form verbesserter Abschreibungsbedingungen für den Mietwohnungsbau. Darüber hinaus sollten Bund und Länder mehr Mittel für eine deutliche Steigerung des sozialen Mietwohnungsbaus aufwenden. Trotz der überwiegend positiven Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung in Deutschland, sind Haushalte zu fördern, die sich aus eigener Kraft nicht angemessen mit Wohnraum versorgen können. Weiterhin sollte der Ersatzneubau nicht wirtschaftlich sanierungsfähiger, nicht Ortsbild prägender und bereits leer stehender Wohnungen in der KfW-Förderung sowie bauordnungsrechtlich durch Anpassung des Baugesetzbuches einer Vollsanierung gleichgestellt werden. Mit dem 2014 gegründeten Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen gibt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Vertretern aus Bau- und Immobilienwirtschaft die Möglichkeit in Arbeitsgruppen dringende Fragen zum Wohnungsangebot zu erörtern. Die deutsche Zementindustrie über die Beteiligung des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden e.V. ebenfalls vertreten. 

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Manuel Mohr

Manuel Mohr

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Aktuelles Positionspapier der Aktion "Impulse für den Wohnungsbau"