Die Anfänge der deutschen Zementindustrie

Zementwerk Bonn (1906)Zementwerk Bonn (1906)

Die industrielle Herstellung von Zement begann in Deutschland im Jahr 1850 durch die Firma Brunkhorst und Westfalen in Buxtehude bei Hamburg. Bald folgten weitere Anlagen. Die Zementfabriken hatten zunächst eine Jahreskapazität in der Größenordnung von einigen Tausend Tonnen. Mit der Verbreitung der Betonbauweise nahm die Zementindustrie einen rasanten Aufschwung. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland bereits rund 50 Fabriken. Die Rationalisierung der Produktion war schon damals eine zentrale Herausforderung. Räumlich getrennte Verfahrensschritte - Rohstoffgewinnung und -aufbereitung, Brennen und Zementmahlung - wurden in Form integrierter Zementwerke an einem Produktionsstandort zusammengefasst.

Entwicklung bis 1945

Der Aufschwung der deutschen Zementindustrie hielt bis zum ersten Weltkrieg an. Mit dem Krieg verschlechterten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Es traten Versorgungsengpässe auf, die Preise stiegen rasant an. 1917 wurden Erzeugung und Versand von Zement staatlicher Kontrolle unterworfen. Nach einer teilweise höchst turbulenten Entwicklung in den 1920er Jahren wurde die Zementindustrie nach 1933 in einem Zwangskartell zusammengefasst. 1938 erreichte die Zementproduktion - auch aufgrund der Kriegsvorbereitungen Deutschlands - mit ca. 16 Mio. Tonnen einen Höchststand. Für die Zementindustrie war der Beginn des zweiten Weltkriegs mit zunehmenden Versorgungsengpässen bei den Brenn- und Rohstoffen verbunden. Im Verlauf des Krieges wurde auch in der Zementindustrie Zwangsarbeit geleistet. In Anerkennung ihrer Verantwortung sind die Unternehmen der Branche geschlossen der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zur Entschädigung von Zwangsarbeitern beigetreten.

Die Zeit nach 1945

Beim Wiederaufbau der Bundesrepublik entwickelte sich die Bauwirtschaft zur Konjunkturlokomotive. Die Zementwerke wurden modernisiert, ab Ende der 1950er Jahre kamen neue Anlagen mit Jahreskapazitäten von etwa 500 Tsd. Tonnen hinzu. Einige Werke erreichten sogar Jahreskapazitäten von rund 1 Mio. Tonnen. Nach einer konjunkturellen Schwächephase im Jahr 1967 kam es aufgrund von Überkapazitäten vor allem in Westfalen zu ruinösen Preiskämpfen, die einen Konzentrationsprozess in Gang setzten. Die Zementnachfrage erholte sich allerdings bald und erreichte im Jahr 1972 mit 42 Mio. Tonnen ein Allzeithoch. Im selben Jahr wurde die Zementindustrie von der Ölkrise doppelt getroffen. Der Brennstoffmix der Branche wurde zu diesem Zeitpunkt vom Heizöl dominiert, die Explosion der Brennstoffkosten erforderte eine kapitalaufwändige Rückkehr zum traditionellen Brennstoff Kohle. Zugleich brach mit der einsetzenden Rezession die Zementnachfrage ein und führte zu einem weiteren Preiskrieg. Nach zwischenzeitlicher Stabilisierung nahm der Zementversand in den 1980er Jahren tendenziell weiter ab und erreichte 1985 einen Tiefstand von 22,9 Mio. Tonnen.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands trat ein enormer Baubedarf zutage, der sich in einer steigenden Zementnachfrage niederschlug. Zugleich stand die Branche vor der gewaltigen Herausforderung, die völlig veralteten Zementanlagen in Ostdeutschland zu modernisieren. Hierfür wurden 1,5 Mrd Euro investiert. Es enstanden hochmoderne Anlagen, die eine Jahreskapazität von rund 2 Mio. Tonnen aufweisen. Zugleich wurde ein großer Teil der Investitionen zum Schutz der Umwelt, zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Substitution natürlicher Ressourcen durch sekundäre Einsatzstoffe aufgewandt. Anhand des Modernisierungsprozesses in Ostdeutschland lässt sich zeigen, dass die mindestoptimale technische Betriebsgröße von Zementwerken kontinuerlich gestiegen ist. In Asien werden heute sogar Zementwerke mit einer Jahreskapazität von über 10 Mio. Tonnen betrieben.

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