Untersuchungen des Forschungsinstituts ergaben, dass die geringeren Werte nicht durch den fehlenden Oxidationsschritt, sondern durch geringe zeitliche Unterschiede in der Analyse hervorgerufen wurden. Diese Unterschiede führten dazu, dass nicht alle aufbereiteten Zementextrakte die typische rot-violette Farbe des DPC-Cr(III)-Komplexes aufwiesen. In manchen Fällen lag statt der rot-violetten eine rote Messlösung vor (siehe Bild). Diese augenscheinliche Feststellung wurde auch durch die UV/VIS-Spektren der Lösungen bestätigt.
In der Chromatlösung absorbiert der DPC-Cr(III)-Komplex sichtbares Licht, das Absorptionsmaximum liegt bei einer Wellenlänge von ca. 540 nm. Dagegen absorbiert bei dem aufbereiteten Zementextrakt zusätzlich eine Lösungskomponente mit einem Absorptionsmaximum bei einer Wellenlänge unterhalb von 350 nm. Dies führt zu einer leichten Gelbfärbung, und die gelbfärbenden Anteile in der Lösung bewirken insgesamt eine rote statt der rot-violetten Messlösung. Offenbar reagiert ein anderes Kation mit Diphenylcarbazon zu einem gelbfärbenden Komplex. Dadurch wird die Konzentration des DPC-Cr(III)-Komplexes in der Lösung verringert, was zu einem Minderbefund für das sechswertige Chrom führt. Chromatanalysen, bei denen die Zugabe von Diphenylcarbazid unmittelbar nach dem Ansäuern erfolgte oder bei denen der pH-Wert unter 2 lag, zeigten keine konkurrierenden Reaktionen. Für ein Absenken des pH-Wertes unter 2 ist allerdings ein vorheriger Oxidationsschritt erforderlich.